Test Turmoil: Läuft wie geölt

von Michael Orth am 27. Februar 2017
Item Reviewed

Test Turmoil: Läuft wie geölt

Author

Selten genug, dass sich ein Neuzugang freiwillig „Wirtschaftsimulation“ nennt. Denn offensichtlich gibt es es attraktivere Genres, um im AppStore zum Millionär zu werden. Also zu einem richtigen. Denn ums reich werden geht es auch in Turmoil, einer Simulation des amerikanischen Ölbooms um 1900.

Dumm gelaufen: Die angezapften Ölreservoirs sind leer, darunter liegt blanker Fels. Neue Vorkommen zu finden wird teuer.

Ich bekomme ja durchaus erhöhten Puls, wenn so ein Spiel auftaucht. Einerseits, weil ich selbst mit Absurditäten wie Starbytes Fließband-WiSims etwas anfangen konnte, damals in den 90ern. Andererseits, weil zumindest die Pads unter den iOS-Geräten prädestiniert für das Genre sind. Doch ist Turmoil überhaupt eine klassische Wirtschaftssimulation? Die Antwort ist ein eindeutiges jein. Auch auf die Frage, ob es was taugt.

Links und Rechts gibt’s Geld

Erster Pluspunkt: der einfache Zugang. In Konkurrenz zu drei KI-Spielern pachten wir ein Stück Land, entrichten eine Art Antrittsgebühr  und los geht’s. Wünschelrutengänger und später auch Maulwüfe (jaja, andere Zeiten) spüren die Ölvorkommen auf. An die Stelle pflanzen wir einen Bohrturm und graben uns mit Leitungen ins Erdreich. Fließt das schwarze Gold endlich, kutschieren wir es mit Pferdewagen zum Händler. Oder, wenn der Preis nicht passt, erst mal ins Tanklager, wo es auf bessere Zeiten wartet. Überhaupt, die Preise: Bei den beiden Händlern links und rechts am Bildschirm – die denn auch sinnigerweise „Left Inc.“ und“Right Inc.“ heißen – schwanken die Preise extrem stark, zudem sehr schnell und ohne dass irgendwelche äußeren Umstände einen Einfluss auf den Kurs hätten. Das mildert den Eindruck einer halbwegs akkuraten Simulation doch stark.

Verschenktes Potenzial: Die Versteigerung selbst der letzten Restparzellen läuft meist auf ein friedliches Nebeneinander hinaus. Streit um ein Gebiet gibt es nur sehr selten.

Die ganzen Vorbereitungen kosten erst mal. Ordentlich viele Dollars, derer wir auf dem Ölfeld nur 2.000 dabei haben. Da heißt es etwas haushalten oder einen teuren Kredit aufnehmen. Steht die Infrastruktur aber erst mal, kassieren wir ordentlich ab. Dann sprudelt der Zaster wie bei einem überlaufenden Ölturm. Ewig hält der Geldsegen aber nicht an. Erstens sind die Level zeitlich begrenzt, anfänglich sogar recht eng. Und zweitens geht so ein Ölvorkommens chnell zur neige; die Suche nach dem nächsten wird dann schon aufwendiger und auch teurer.

Auf Dauer etwas bohr-ing

Nach jedem Level landen wir in der Stadt, in der jedes Gebäude seinen ganz eigenen Zweck besitzt. Hier kaufen wir technische Upgrades – zum Beispiel dickere Röhren oder größere Öllager -, besorgen uns Geld oder lancieren im Saloon zweifelhafte Deals mit den lokalen Großkopferten. Und schon geht das Ganze wieder von vorn los. Auf Dauer wird das etwas eintönig, zumal auch die späteren Spielelemente keine wirkliche Abwechsung bescheren. Diamanten, Gesteinsschichten und Gasfelder sorgen eher für etwas mehr Anspruch. Wobei der aufgrund der sehr biederen KI eh im Keller liegt.

Der wortspielige Name läuft ziemlich ins Leere: Turmoil bedeutet in etwa Trubel, Chaos, Aufruhr, Getümmel. Ganzimgegenteil ist es ein sehr gemütliches Spiel mit dem Fokus auf simpler Geldmacherei. Wer sowas generell mag, wird Turmoil trotz seiner Schwächen lieben. Es entwickelt seinen ganz eigenen Charme, dem auch die arg naive Grafik wenig anhaben kann. Auf Dauer fehlt es aber sprichwörtlich an Tiefgang und echter Komplexität. Und dafür ist der Preis von 5,99 Euro unangemessen hoch.

Das ist gut

- einfacher Zugang
- solide Wirtschaftssimualtion
- einige originelle Ideen

Das ist schlecht

- zu wenig Abwechslung
- schwache KI
- fehlende Komplexität
- Abstürze

Bewertung
Unser Rating
User-Bewertung
Hier bewerten
Gesamtwertung
7.0
Fazit

Betont einfach gehaltene Wirtschaftssimulation mit den entsprechenden Vor- und Nachteilen: Leicht zu verstehen, auf dauer aber zu wenig Tiefgang. Nervende Abstürze.

7.0
Gesamtwertung
User-Bewertung
Du hast dies bewertet
Kommentare
Antworten

Antwoten


*

Gesamtwertung

Schriften von Google Fonts. Icons von Fontello. Ganzes Impressum hier »