Test Star Vikings Forever: Gut geschleimt, Schnecke!

von Michael Orth am 31. August 2017
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Test Star Vikings Forever: Gut geschleimt, Schnecke!

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Grundsätzlich gebe ich auf die Genre-Bezeichnungen im AppStore nicht viel. Bei Star Vikings Forever wurde ich aber stutzig: Mit dem Etikett „Puzzle-RPG“ kommt es daher, doch die Screenshots sehen so gar nicht nach dem aus, was ich mir gemeinhin darunter vorstelle. Also flugs ein paar Level angespielt und die ersten Schleimdinger zerquetscht. Definitiv, diese Schubladisierung ist ein kompletter Fehlgriff!

Wikinger im Weltall

Oder auch nicht. Oder nur halb. Zumindest führt sie derbe in die Irre. Puzzle-Taktik wäre korrekter, aber nicht wirklich erhellender. Alleine dieses Buhei ums Genre zeigt aber, dass wir es hier keineswegs mit einem Allerweltstitel zu tun haben. Auch Weltraum-Wikinger und grimmige Kampfschnecken klingen nicht wirklich danach. Aber schön der Reihe nach…
Da wären also auf der einen Seite die leicht schrägen Wikinger-Helden. Historisch natürlich völlig inkorrekt, weil die Nordmänner nie mit Hörner-Helm im All unterwegs waren. Ihnen gegenüber steht Kriechgetier in allen erdenklichen Farben und Formen. Die sich wenig wohlgesonnenen Parteien beharken sich rundenweise mit allem, was das Taktikarsenal so hergibt – Fernwaffen, Nahkampfmittel, Zaubersprüche und sonstige Kniffe.

Hätte ich an dieser Stelle gestoppt und schon den Artikel geschrieben – es wäre ein völlig falsches Bild entstanden. Denn nach der ersten Spielstunde schiebt sich langsam, aber unaufhaltsam wie eine Kampfschnecke ein anderes Genre in den Vordergrund. Schon das Spielfeld ist so klein und eng, dass es eher an ein Spielbrett erinnert. Die einzelnen Wikinger können zwar das ganze Gelände bekämpfen, sich selbst aber nur strikt auf ihrer Linie vorwärts bewegen. Das schränkt die taktischen Möglichkeiten stark ein. Zumal die Schnecken zwar strunzdoof und zumindest in ihren Basisausführungen wenig kampfkräftig, aber auch deutlich in der Überzahl sind.

Alles auf Angriff

Das alles führt zu einer arg gebremsten Dynamik. Statt hektischem Kampfgetümmel gibt’s Taktik-Kopfnüsse. Star Vikings spielt sich letztendlich wie eine Art Schnecken-Schach. Entscheidend ist meist gleich die allererste eigen Angriffswelle. Nur wer die Offensiv-Optionen seiner bis zu fünf Recken optimal ausnutzt, hat in den folgenden Runden eine Chance. Denn die vielen Weichtiere sind nichts für Weicheier: Der Schwierigkeitsgrad zieht schon früh im Spiel ordentlich an, ohne dabei unfair oder zu heftig zu werden. Wir haben es hier also tatsächlich irgendwo mit einem Puzzler zu tun, so wenig es am Anfang auch danach aussieht.

Nordisches Personalmanagement

Garniert wird Star Vikings von einem recht aufwändigen Drumherum. So gilt es etwa, den eigenen Trupp immer in Schuss zu halten. Man kauft neue Waffen, Tränke, Zauber und sonstige Ausrüstung und verbessert mit den in Kämpfen erworbenen XPs deren Werte und investiert in Spezialfähigkeiten. Zudem warten auf der langen Reise durchs All immer wieder neue Helden auf ihre Anwerbung. Durch das recht detaillierte Personalmanagement wurde Star Vikings wohl fälschlicherweise in die RPG-Kategorie eingereiht.


Der Umfang ist enorm. Was auch dadurch bedingt wird, dass man trotz eines geschafften Levels manchmal nicht sofort weiterkommt. Mal fehlt es am Geld, mal muss erst ein bestimmter Gegenstand besorgt werden, mal fehlt noch ein bestimmter Heldentyp im eigenen Haufen. Manche Abschnitte spielt man – durchaus freiwillig – deshalb mehrmals. In mühsames Grinden artet Star Vikings eigentlich nie aus.

Falls es bisher noch nicht deutlich rüberkam: Star Vikings Forever gefällt mir ausgesprochen gut. Der Genre-Mix funktioniert prima, das Drumherum wirkt weder aufgesetzt noch überflüssig. Einziger größerer Kritikpunkt: Trotz der unterschiedlichen Missionsziele, die auch unterschiedliche Herangehensweisen erfordern, sind sich die Level auf Dauer zu ähnlich. Der sehr große Umfang gerät da fast eher zum Nachteil. Auch fehlen echte spielerische Glanzlichter; ein paar mehr „Wow!“-Momente hätten SVF ganz gut getan. Umgekehrt kann ich mich nur an wenige Spiele erinnern, die ähnlich wenig Frust- und Ärgerpotenzial aufweisen. Schneckenstark!

Das ist gut

- gut funktionierender Genremix
- großer Umfang
- detailliertes Heldenmanagement
- kaum Frust- oder Ärgermomente

Das ist schlecht

- der Spielablauf ist sich über die vielen Level hinweg zu ähnlich
- mitunter eingeschränkte taktische Möglichkeiten
- wenig einsteigerfreundlicher Schwierigkeitsgrad

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Originelles, sehr umfangreiches Spielchen, das gekonnt Puzzle- und Taktikelemente zu einem eigenständigen Ganzen mixt.

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