Test Bit City: Stadt der Langeweile

von Michael Orth am 16. April 2017
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Test Bit City: Stadt der Langeweile

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Es gibt Spiele, bei deren Auftauchen selbst gestandene Tester zittrige Hände bekommen. Weniger, weil etwa überraschend ein AAA-Titel auf der iOS-Plattform auftaucht. Sondern aus ganz persönlichen Gründen. Bit City ist bei mir so ein Ding. Die ersten Screenshots sahen super aus. Es wurde ein Städtebau-Simulator versprochen – Sim City ist einer meiner absoluten Alltime-Favoriten. Und dann noch Nimblebit als Entwickler. Nimblebit? Die gehörten so bis 2013 mit Titeln wie Tiny Tower oder Pocket Planes zu den ganz Großen des AppStores. Danach folgten aber einige eher unbedeutende Spiele, die von ganz nett bis ziemlich ärgerlich reichten. Und jetzt sind sie (scheinbar) im alten Glanz wieder zurück.

Click, Click, Hurra

Meine Erwartungen waren also extrem hoch. Und der tatsächlich folgende Fall – soviel kann ich vorweg nehmen – entsprechend tief. Natürlich hätte ich mich vorher genauer informieren können. Aber ich wollte unvoreingenommen an Bit City herangehen und mir die trügerische Vorfreude nicht nehmen lassen. So ist Bit City für mich die größte Enttäuschung des noch jungen iOS-Spielejahres. Warum? Weil es sich hier um ein so genanntes Clicker Game (ihr wisst nicht, was ein Clicker Game ist? Hier findet Ihr bei uns eine ausführliche Erklärung) handelt. Selbst wenn man diesem höchst umstrittenen Genre nicht abgeneigt ist: Ich hatte mir einfach eine schöne Aufbausimulation erhofft. Zumal Nimblebit selbst immer wieder absichtlich den Eindruck erwecken will, es handele sich hier um einen Sim-City-Nachfahren. Dafür ein dickes Pfui.

Aber gut. Wage ich mich also an die (mageren) acht Level, die vom Winzdorf bis zur Millionenmetropole reichen. Ich sammle Geld ein und stecke den Zaster Häuserbau, neue Autos, Flugzeuge und Schiffe. Oder investiere in die grundsätzliche Infrastruktur meiner Stadt. Alles dient nur einem Ziel: Die sekündlichen Einnahmen permanent zu steigern und so immer noch mehr Geld zum Ausgeben anzuhäufen – bis hinein in den Trillionenbereich. Was auch nötig ist, da die Grundstücke für den Häuserbau permenent teurer werden.

Auch wenn sich Bit City sinnlose Fingertappserei zum Selbstzweck verkneift: Die dicke Kohle scheffelt man trotzdem im Clicker-Teil. Autos, Schiffe und Flugzeuge schleppen regelmäßig zweierlei Boni mit sich herum. Normale Goldmünzen als Grundwährung von Bit City. Und dann noch die so gennanten Bux in Form früner Geldscheine, ein Markenzeichen vieler Nimblebit-Spiele. Sie dienen als eine Art Parallelwährung. Mit ihnen investiere ich in die generelle Infrastruktur einer Stadt, kaufe permanente Upogrades und Vergünstigungen, erwerbe spezielle Gebäude und trickse ein wenig herum. Etwa indem ich die Zeit künstlich eine Stunde vorstelle, womit mein Goldmünzenvorrat für den Bit-City-Alltag sprunghaft ansteigt.

Alles nur Fassade

Lobenswerterweise tut Nimblebit alles, um das simple und nach spätestens fünf Minuten strunzdoofe Spielprinzip ordentlich aufzupäppeln. Tolle Pixelgrafik, allerlei Drumherum, enorme Detailvielfalt und zumindest ein Minimum an strategischen Überlegungen. Das ganze Brimborium kann aber nicht vertuschen, dass es sich hier um einen echten Blender handelt. Denn aktive Stadtbau-Komponenten sind noch nicht mal ansatzweise vorhanden. Welches Gebäude ich nun wann und wo baue, hat praktisch keinen Einfluss aufs Geschehen. Gerade wenn man sich auch nur ansatzweise ein mobiles Sim City erhofft hat, weicht die Anfangsfreude schnell tiefem Frust. Von diesem speziellen Problem abgesehen, tragen Clicker-Spiele generell eine Art Faszination des Grauens in sich: man würde sich gerne abwenden, schafft es aber einfach nicht. Hier noch schnell den extradicken Münzbonus einsacken, dort noch die eine Verbesserung abwarten – man hat einfach ständig Angst, was zu verpassen. Für manche mag das ein echtes Suchtpotenzial bedeuten. Nicht so bei mir: hab ich den Absprung erst mal geschafft, zieht mich wenig in die Stadt zurück.

Bit City ist kostenlos. Und wie von Nimblebit gewohnt, ist das f2p-Modell dabei ein sehr faires. Einschränkungen gibt es keine, künstlich aufgezwungen wird einem auch nix. Zwar kommt man mit mehr Bux deutlich schneller voran. Doch mit etwas Geduld sammelt man auch ohne Echtgeldeinsatz genügend von den grünen Scheinchen ein, zumal fünf der acht Städte recht schnell komplett bevölkert dastehen.

Bleibt abschließend festzustellen, dass Nimblebit mit Bit City das Clicker-Genre in neue Sphären hebt. Und es damit gleichzeitig ad absurdum führt. Denn das ganze Chi Chi macht erst deutlich, wie wenig spielerische Substanz  hinter der glänzenden Fassade zu finden ist. Deshalb, liebe Nimblebits: Packt eure prächtigen Legostein-Gebäude wieder ein und macht eine richtige Stadtbausimulation draus! Dass Ihr es könnt, habt Ihr ja früher schon hinreichend bewiesen.

 

Das ist gut

- schöne Pixelgrafik
- sehr viele verschiedene Gebäude
- für ein Clicker-Spiel relativ komplex
- faires f2p-Modell

Das ist schlecht

- sehr wenig spielerische Substanz
- Städtebau reine Fassade
- dudelige Musik
- Großteil der Level zu kurz oder zu lang

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Clicker Game mit viel Glitter. Spielerisch ein kapitaler Blender, da der Städtebau-Part reine Staffage darstellt.

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